»Der Vorwurf des ›Eurozentrismus‹ steht als Begriff für die systematische, bis heute anhaltende Unterdrückung und Ausbeutung anderer Kulturen durch die europäische Welteroberung seit der frühen Neuzeit und einer damit einhergehenden Schuld gegenüber nicht-atlantischen Gesellschaften. An dieser Stelle schalten kulturrelativistische Positionen einen Entschuldingsdiskurs an, der seine geringe Substanz durch besonders hohles Pathos aufwerten will. […] Hier wird deutlich, dass es im Streit um den Kulturrelativismus gar nicht um die Frage einer richtigen oder falschen Beobachtung geht, sondern um die Bedingungen der Möglichkeit, politische Verhältnisse zu beurteilen und entsprechend zu handeln. […] In Auseinandersetzungen über politische Fragen geht es nicht um wissenschaftlich korrekte Begründungen und höhere Rationalität, sondern um praktische Unterscheidungen. Da aber politisch sinnvollerweise nicht zwischen wahr/unwahr im Sinne zeitloser und allgemeingültiger Aussagen unterschieden werden kann und damit die Differenz von ›Wissen‹ und ›Meinung‹ auch in der Organisation des politischen Gesprächs keine Rolle spielen sollte, weil sie auf irrigen epistemologischen Annahmen beruht, werden alle politischen Fragen auf die regulativen Ideen des politischen Systems zurückverwiesen. […] Die westliche Demokratie mit ihren das Individuum schützenden Grundrechten, politischer Partizipation, parlamentarischer Repräsentation, Pluralismus der Werthaltungen usw. ist nicht schlüssiger zu begründen als andere Herrschaftsformen. […] Das Plädoyer für liberale, sozial-demokratische Gesellschaften ist das Ergebnis von konkreten Beobachtungen, Erfahrungen, Urteilen.«
- Thomas Noetzel und Wilfried von Bredow, Politische Urteilskraft, Wiesbaden 2009, S. 280 ff.
(Source: anormaux)
![»Der Vorwurf des ›Eurozentrismus‹ steht als Begriff für die systematische, bis heute anhaltende Unterdrückung und Ausbeutung anderer Kulturen durch die europäische Welteroberung seit der frühen Neuzeit und einer damit einhergehenden Schuld gegenüber nicht-atlantischen Gesellschaften. An dieser Stelle schalten kulturrelativistische Positionen einen Entschuldingsdiskurs an, der seine geringe Substanz durch besonders hohles Pathos aufwerten will. […] Hier wird deutlich, dass es im Streit um den Kulturrelativismus gar nicht um die Frage einer richtigen oder falschen Beobachtung geht, sondern um die Bedingungen der Möglichkeit, politische Verhältnisse zu beurteilen und entsprechend zu handeln. […] In Auseinandersetzungen über politische Fragen geht es nicht um wissenschaftlich korrekte Begründungen und höhere Rationalität, sondern um praktische Unterscheidungen. Da aber politisch sinnvollerweise nicht zwischen wahr/unwahr im Sinne zeitloser und allgemeingültiger Aussagen unterschieden werden kann und damit die Differenz von ›Wissen‹ und ›Meinung‹ auch in der Organisation des politischen Gesprächs keine Rolle spielen sollte, weil sie auf irrigen epistemologischen Annahmen beruht, werden alle politischen Fragen auf die regulativen Ideen des politischen Systems zurückverwiesen. […] Die westliche Demokratie mit ihren das Individuum schützenden Grundrechten, politischer Partizipation, parlamentarischer Repräsentation, Pluralismus der Werthaltungen usw. ist nicht schlüssiger zu begründen als andere Herrschaftsformen. […] Das Plädoyer für liberale, sozial-demokratische Gesellschaften ist das Ergebnis von konkreten Beobachtungen, Erfahrungen, Urteilen.«
- Thomas Noetzel und Wilfried von Bredow, Politische Urteilskraft, Wiesbaden 2009, S. 280 ff.](http://27.media.tumblr.com/tumblr_lwxqi9rkni1qc0vl1o1_500.jpg)